89. Kongresses deutschsprachiger Imker in Salzburg

Große Monokulturen der Intensiv-Landwirtschaft:

Bienen hungern im Sommer
Suche nach Alternativen zum Mais / Kongress deutschsprachiger Imker

Salzburg. - Bienen und intensive Landwirtschaft passen schlecht zusammen. In Regionen mit großen Ackerflächen bringt Mangelernährung Bienenvölker in Not und schließlich um. Ein Schwerpunkt des
89. Kongresses deutschsprachiger Imker in Salzburg vom 8. Bis 11. September war die Frage: Was ist zu ändern, um Bienen in Mitteleuropa wieder eine gesunde Lebensgrundlage zu schaffen?
Alle zwei Jahre treffen sich die Imker aus Deutschland, Luxemburg, Liechtenstein, der Schweiz und Österreich. Jedes Land macht mit hochrangigen Referenten auf sich aufmerksam. Entsprechend groß war das internationale Interesse im Europasaal des Salzburg Congress.
Für die Öffentlichkeit sind Pestizide schuld an Bienensterben der Vergangenheit. Dr. Klaus Wallner, Landesanstalt für Bienenkunde Stuttgart trägt das so nicht mit. Für ihn sind es großflächige Motokulturen, bestellt mit einer Pflanze, die die Insektenvielfalt und auch die Bienen ruinieren. Drei Kilometer Flugradius hat ein Bienenvolk. Mit einem Luftbild aus dem Rheintal zeigte Dr. Wallner die Veränderung in den letzten drei Jahrzehnten: Vorher ein bunter Mix vieler kleiner Flächen mit bienenrelevanten Pflanzen, nach Flurbereinigung keine Wiesen mehr, nur eine Handvoll von Flächen, meistens wächst dort Mais. Auch die streifenweise gemähte und nachwachsende Futterfläche ist Geschichte. Der Aufwuchs wird zur Blütezeit in Plastik verpackt und zum Silage-Ballen. Der Artenverlust auf den Flächen ist dramatisch.
Landwirte mit Klatschmohn oder Kornblumen im Feld gelten heute als Versager, die ihr Handwerk nicht verstehen, stellte Dr. Wallner fest. Dabei waren es genau diese Pflanzen, die Bienen ganzjährig Nahrung lieferten. In Siedlungsgebieten sieht es nicht viel besser aus: Den bunten Muttertags-Strauß aus der Streuobstwiese gibt es nicht mehr. Die Vegetation wird wöchentlich bei zwei Zentimetern gekappt mit dem Aufsitzmäher. Seine Erfindung ist für den Bienenkundler eine ökologische Katastrophe.
Hummeln sind auf Nahrung in 150 Metern Umgebung angewiesen, Solitärbienen zum Teil gebunden an eine einzelne Pflanzenart. Von 540 Bienenarten sind 52 Prozent bedroht. Auch Honigbienen wären in industrialisierten Ländern ohne Hilfe der Imker bereits ausgestorben, so die harte Feststellung des Bienenkundlers. „Solange wir nicht bereit sind, mehr Geld für landwirtschaftliche Produkte zu zahlen, wird der Zwang zu immer größeren Flächen und weiterer Rationalisierung in der Landwirtschaft nicht aufhören“, ist sich Dr. Wallner sicher.
Dennoch gibt es Anzeichen, dass die Kettenreaktion nach unten zu Ende ist: Aufgerüttelt durch die Bienensterben-Ereignisse der Vergangenheit gebe es jetzt Bereitschaft, einen Teil der Flächen aus der Produktion zu nehmen und dort Blühflächen anzubauen. Die Imker rief Dr. Wallner auf, sich für Bäume und Sträucher mit interessanten Blühzeiten einzusetzen, beispielhaft genannt wurde hier die Winterlinde.
Auf nur noch drei Prozent der Ackerflächen der EU werden Leguminosen angebaut, 80 Prozent der Eiweißlieferanten werden importiert. Die Direktorin des Institutes für biologische Landwirtschaft und Agrarkultur Luxemburg, Ing. agr. Stephani Zimmer, ging der Frage nach: Könnte mehr Anbau von Ackerbohnen, Erbsen, diversen Kleesorten mehr Pollen und damit Vitalität für die Bienen bringen?
Gerade im Hochsommer leiden Bienenvölker unter Pollenmangel. Dieser wirkt sich bis in den Herbst hinein aus. Zu wenige Winterbienen bedeuten Völkerverluste im Winter und schwache Völker im Frühjahr.
Eine einfache Antwort zu dem Thema gibt es nicht: Die EU schützt die eigene Getreideerzeugung, erlaubt im Gegenzug jedoch die zollfreie Einfuhr von Ölsaaten und Eiweißpflanzen. Damit ist deren Anbau in der EU wirtschaftlich uninteressant. Inzwischen – so Ing. Zimmer – schwindet auch das Wissen um den Anbau der Stickstoff sammelnden Pflanzen rapide.
Dennoch gibt es in Bienenweiden eine steigende Zahl von Leguminosen, für Bienen ein interessantes
Nahrungsangebot ab dem Hochsommer. Doch nicht alle Klee- und Hülsenfrüchte sind für Bienen interessant. Für die Ackerbohne ist die Rüssellänge der Biene zu kurz. Lupinen bringen Pollen, aber nicht viel. Die Sojabohne gilt als gänzlich uninteressant. Im Gegensatz dazu Rot- oder Weißklee, die ausgezeichnete Pollen und Nektar liefern. Gleiches gilt auch für den Steinklee.
Die Becherpflanze aus Nordamerika (Durchwachsene Silphie) wird unter Imkern sehr geschätzt: Sie ist mit der Sonnenblume verwandt, blüht lange, wird von Honigbienen sehr gerne besucht und braucht keinen chemischen Pflanzenschutz. Dr. Josef Mayr, Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit, forscht in Österreich an der neuen Pflanze zur energetischen Nutzung. Zwei bis drei Meter hoch wird die Becherpflanze, die geringe Ansprüche stellt an Standort und Wasserversorgung. Sie wird angepflanzt und liefert zehn bis 15 Jahre Ertrag. Doch es gibt zwei Schwierigkeiten: Genannt wurden 6500 Euro Pflanzkosten. Damit die Pflänzchen kräftige Rosetten ausbilden können, muss im ersten Jahr bis zu viermal Unkraut gehackt werden. Ab dem 2. Vegetationsjahr hat ein Landwirt kaum noch Aufwand. Dann ist die Durchwachsene Silphie gegenüber dem Mais eindeutig im Vorteil. Mais wiederum liefert mehr Energie. Bisher findet an verschiedenen Orten in Österreich Versuchsanbau statt. Für Bienen würde die Becherpflanze Futter in einer sonst nahrungsarmen Zeit bringen.
An Alternativen zum Mais forscht auch die Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) Veitshöchheim in Bayern. Blühmischungen für Bienen, Wild- und Sommerblumen entwickelte die LWG bereits 1999. „Wildkräuter als Energiepflanzen“ war der Vortrag von Dipl.-Ing. Martin Degenbeck überschrieben, in der LWG Projektleiter in der Landschaftspflege und Landschaftsentwicklung. Mehrjährige Blühmischungen mit etwa 20 Wildkräutern werden gesät und fünf Mal jeweils im September gehäckselt. Die Pollenversorgung für Bienen verbesserte sich deutlich, viele Insektenarten, Brutvögel und Fledermäuse profitierten bis hin zum Wild, das den Unterstand nutzte.
Die Mischungen werden mutig weiter entwickelt: Die Beimischung von Faserhanf führte zu Besuchen irritierter Polizei. Landwirte zur Aussaat der Eselsdistel zu bewegen kostete Überzeugungsarbeit. Mit dem „Veitshöchheimer Hanfmix“ wird nun Maisniveau erreicht. Versuche mit Präriemischungen aus Nordamerika laufen. Eindeutige Vorteile haben die Wildkräuter-Mischungen auf Standorten, die trocken, steil und steinig sind.
Dipl.-Ing. Degenbeck beklagte, dass – sobald es um Silage oder Energiegewinnung geht – „derzeit alles mit Mais in einen Topf geworfen wird.“ Bodenverbesserung, weniger Pestizide, keine Erosion, Artenvielfalt bis hin zur Nahrungsversorgung für Bienen finden in der Gesamtbilanz zu wenig Berücksichtigung. Eine Anregung an die Imker: Blühmischungen selbst anbauen und den Bauern damit Anschauungsunterricht geben.



Bienenprodukte haben Sensationelles zu bieten
Kittharz aus Bienenstock als natürliches Antibiotikum

Salzburg. - Die Einzigartigkeit der Bienenprodukte in Ernährung und Gesundheit vermittelte beim Kongress deutschsprachiger Imker in Salzburg Imkermeister Anton Reitinger, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Apitherapie: „Genetisch sind wir vorprogrammiert, der Rest ist Ernährung, Bienenprodukte haben hier Sensationelles zu bieten.“ Seine Empfehlung: Genuss von Honig, täglich und bewusst gerade zum Frühstück. Blütenpollen liefert alles, was der Mensch braucht. Propolis mit bis zu 400 Inhaltsstoffen bleibt als natürliches Antibiotikum unschlagbar. Gelee Royale schließlich sorgt dafür, in Schwung zu kommen oder zu bleiben.
Aus Sicht des Mediziners gab Prof. Dr. h.c. Mathias Kunth einen Überblick zur aktuellen wissenschaftlichen Lage der Apitherapie. Er ist Dozent an der Fudan Universität Shanghai und verbindet in seiner Praxis Apitherapie mit der Traditionellen Chinesischen Medizin. Unlängst schauten die Leibärzte des Sultans von Oman bei ihm vorbei. Dass die antibiotische Wirkung von Honig und Propolis inzwischen auch von der Regelmedizin anerkannt wird, freut Kunth. Bildlich zeigte der Mediziner Behandlungserfolge vom offenen Fuß bis hin zum nicht erklärbaren Verschwinden eines Gehirntumors. Ein Tipp von vielen betraf Halsweh: einen Teelöffel geriebenen Meerrettich intensiv kauen, dann schlucken. Anschließend einen Teelöffel Honig langsam im Mund zergehen lassen: „Kostet nichts und ist hoch effizient“.
Tipps zur optimalen Völkerführung bekamen die Kongressteilnehmer von Heinrich Gufler aus Bruneck/Südtirol. Der ehemalige Fachberater für Bienenzucht empfahl mehrfach eine vorausschauende Arbeit an den Bienenstöcken, sie sich an der Entwicklung der umgebenden Natur orientiert. Er entwickelt die Bienenvölker nach individueller Stärke und gleich nicht aus. Das Absperrgitter ist für ihn ein notwendiges Übel. Zur Sicherheit bildet er Jungvölker stets über den Bedarf hinaus. Den Imkern riet Gufler, sich immer fortzubilden: „Wer aufhört besser zu werden, hat aufgehört gut zu sein.“
Ameisensäure als Wirkstoff gegen die Varroamilbe ist in Italien nicht zugelassen. Ing. Andreas Platzer, Südtiroler Imkerschule erläuterte, wie die Milbe in Südtirol bekämpft wird. Es geschieht mit einem Gesamtkonzept bekannter Methoden von Drohnenbrut-Entnahme, Ableger-Bildung, Einsperren der Königin auf einer Bannwabe, bis hin zur kompletten Brutentnahme. Die Restentmilbung schließlich geschieht mit Oxalsäure. Nach Einschätzung von Ing. Platzer werden Imker künftig viel mehr Zeit aufwenden müssen, um den Befall von Varroamilben exakter zu ermitteln: Offenbar genügen immer weniger Milben um ein Volk umzubringen, seitdem Viren die Varroamilben als Transportmittel benutzen.



Immer mehr neue Imker

Interesse an Bienenhaltung wächst bei Jugendlichen und Frauen

Salzburg. Eröffnet wurde 89. Kongress deutschsprachiger Imker vom Präsidenten des Österreichischen Imkerbundes, Johann Gruscher. Der Präsident der Landwirtschaftskammer Salzburg, Franz Essl, hob die Imkerei als wichtigen Bestandteil der Kammer hervor. Der Vizepräsident des ÖIB-Landesverbandes Salzburg, Gerald Lichtentaler, unterstrich in seiner Begrüßung das stark gewachsene Interesse innerhalb seines Landesverbandes an der Imkerei, vor allem bei Jugendlichen und Frauen.
Die zweitägige Diskussion im Europasaal des Salzburg Congress leitete Josef Stich, Vorsitzender der Erwerbsimker Österreichs.
Die Imker-Präsidenten aus Deutschland, Peter Maske, Südtirol, Engelbert Pohl, Liechtenstein, Manfred Biedermann, Schweiz, Mathias Götti-Limacher und Luxemburg, Jean-Paul Beck begleiteten den Kongress. Anwesend waren die Honigköniginnen aus Südtirol, Melanie I., Österreich, Elisabeth I. und Bayern, Sabrina I.
Bei einem abendlichen Rahmenprogramm lauschten die Teilnehmer einem Kammerkonzert in der Salzburger Residenz, veranstaltet von Land und Stadt Salzburg. Gespielt wurde Mozart von Salzburger Kammersolisten. Salzburgs ÖIB-Landesobmann Wilhelm Kastenauer bedankte sich für die Einladung. Salzburgs Bürgermeister Dr. Heinz Schaden unterstrich die Verbundenheit mit Bienen. Die Stadt unterhält Bienenvölker in einigen öffentlichen Einrichtungen, darunter Altenheimen. Ein Galadiner mit Böhmischer Volksmusik im Stieglkeller bildete den Abschluss des Abends.
2018 ist der 90. Kongress deutschsprachiger Imker. Gastgeber ist die Schweiz, die am letzten Tag die Fahne übernahm. Der Kongress wird stattfinden vom 28. bis 30. September 2018 im Pentorama Amriswil.
Während des gesamten Kongresses herrschte reges Interesse an den Ständen der Imkerausstellung.




Bildtexte:

Blühwiesen wie diese sind selten geworden. Meist werden sie zu Silage verarbheitet und fallen als Nahrungssquelle für Bienen weg. Zudem führt die Nutzung für die Silageproduktion zu einer drastischen Verarmung von Arten.

Eine Streuobstwiese mit blütenreichem Unterbewuchs. Früher war es kein Problem sich hier einen Muttertagsstrauß zu suchen. Heute fallen diese Flächen vielfach dem Aufsitzmäher zum Opfer. Auch hier gilt: Bienen finden vor allem im Hochsommer heute zu wenig Futter.

Eröffnet wurde der 89. Kongress deutschsprachiger Imker in Salzburg im Beisein der Honigköniginnen aus Österreich, Südtirol und aus Bayern.

ÖIB-Präsident Johann Gruscher (vierter von links) eröffnete den Kongress deutschsprachiger Imker in Salzburg im Beisein seiner Amtskollegen aus Deutschland, Schweiz, Südtirol, Liechtenstein und Luxemburg. Der nächste Kongress ist in zwei Jahren. Gastgeber ist dann die Schweiz.
89. Kongresses deutschsprachiger Imker in Salzburg
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