Schmalblättriges Greiskraut (Senecio inaequidens) – die blühende Gefahr?

Seit einigen Jahren breitet sich in der Südtiroler Landschaft ein Neophyt aus, der sich derart invasiv zeigt, wie kaum ein anderer vor ihm. Was zuerst als harmloses Pflänzchen am Wegesrand begann, nimmt seit 2008 ganze Rudimentär-Flächen in Beschlag.

Die Rede ist vom Schmalblättrigen Greiskraut (Senecio inaequidens). Diese Pflanze, die ursprünglich aus Südafrika stammt, hat sich darauf spezialisiert, als Pionierpflanze Böden und Flächen zu besiedeln, die einerseits nicht intensiv genützt werden, andererseits sehr trocken sind. Von da aus steuen sie sehr intensiv und mit einer unbekannten Wucht auch in genützte Flächen ein.

Diese an und für sich sehr hübsche, intensiv gelb blühende Pflanze hat es allerdings in sich. Neben ihrer massigen Vermehrungsrate produziert sie einen hohen Anteil an Pyrolizidin Alkaloiden (kurz PA genannt). Dieser Stoff ist nicht nur für den Menschen gesundheitsgefährlich (Leber- und Nierentoxin) sondern generell für alle Säugetiere (Rind, Schaf, Ziege und Pferd um nur einige unserer Nutztiere zu nennen). Ebenso toxische Wirkung kann bei den Bienen verzeichnet werden.

Seit dem Jahr 2008 konnten immer wieder schleppende Volksentwicklungen und erhöhte Winterverluste bei Bienenvölkern in den betroffenen Gebieten festgestellt werden. Verluste die man sich auf herkömmliche Art und Weise nicht erklären konnte.

Auffallend war, dass aber seit dem Jahr 2008 sich an den Sonnenhängen des Vinschgaus diese Pflanze massiv ausbreitete und die heimische Flora fast vollständig verdrängt hat. Die Hänge blühen seither intensiv gelb und leuchten von den Hängen bis ins Tal!

Im Jahr 2010 hat der Südtiroler Imkerbund eine kleine interne Bestanderhebung durchgeführt und feststellen müssen, dass dieser Neophyt bereits in fast allen Landesteilen anzutreffen ist. Vom Südtiroler Unterland bis ins Eisacktal und der Gegend um Meran. Die Bestände in diesen Gebieten waren jedoch noch sehr klein und bescheiden. Anders im Untervinschgau wo die Bestände bereits 2010 derart groß waren, dass kontaktierte Experten von den größten Beständen in Europa ausgingen. (von der Ohe – Bieneninstitut Celle)

Aus diesem Grund hat im Nov. 2010 anlässlich der Gesamttiroler-Wanderlehrertagung , Dr. Till Beuerle von der Pharmakologischen Fakultät der Uni Braunschweig ein Fachreferat zur Thematik gehalten. Dr. Beuerle ging dabei nicht nur auf die toxische Wirkung von PA’s bei Bienen sondern auch bei anderen Nutztieren und dem Menschen ein.

Zu dieser Veranstaltung wurden auch alle Vertreter der Veterinärämter, Südtiroler Bauernbund, Abt. Landwirtschaft, Amt für Viehzucht und der Forstverwaltung des Landes Südtirol eingeladen.

Ernüchternd war allerdings dass niemand außer dem Südtiroler Imkerbund die Gefahr wahrlich ernst genommen hat. Einzig die Forststation Schlanders hat einen kleinen Ausmertzungsversuch gestartet, der aber unseres Wissensstandes auch im Sand verlaufen ist.
Es schien, als würde es niemanden interessieren, solange nicht auch Nutztiere (außer den Bienen) betroffen sein!

Zwischenzeitlich haben sich die Bestände aufs ganze Land verteilt und besonders in den südlichen Landesteilen hat sich die Pflanze stark ausgebreitet. Im Vinschgau fühlt sie sich immer noch wohl und hat weiter an Boden gewonnen.
Zudem kommt hinzu, dass wir südseitig das Schmalblättrige Greiskraut finden, und nordseitig oder an schattigeren und feuchteren Standorten das Jakobskreuzkraut, das nicht mindergiftiger ist.

Laut Aussagen einiger freiberuflicher Tierärzte hat es im Jahr 2014 schon fälle von Vergiftungen bei Eseln, Pferden und Schafen in Südtirol gegeben.
Im Jahr 2012/2013 hat der Südtiroler Biologenverbund eine kleinflächige Ausrottungsaktion auf Castelfeder gestartet, um auf das Problem aufmerksam zu machen.

Als Südtiroler Imkerbund haben wir reagiert und den Imkern geraten ihre Bienenvölker außerhalb der Hauptbesatzzonen von Greiskraut aufzustellen. Dies wird allerdings Aufgrund der Ausbreitungen immer schwieriger!

Dazu wurden auch alle Besucher unserer Homepage auf die Gefahr hingewiesen und mehrfach haben wir in unserer Mitgliederzeitschrift SIB aktuell auf die Gefahr hingewiesen.

Es ist allerhöchste Zeit, gemeinsam gegen diesen Neophyten vorzugehen, oder will man erst warten bis einige landwirtschaftliche Produkte einen zu hohen PA-Wert haben und dann vom Markt genommen werden müssen?
 
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