Bozen Unterland

Jahresbericht des Imkerbezirkes Bozen – Unterland 2010

Der Bezirk besteht aus 18 Vereinen, zählt 683 Mitglieder, dies sind 8 Mitglieder weniger als im Vorjahr. Die Völkerzahl beträgt 10.025 ein leichtes plus von 28 Völker; durchschnittliche Völkerzahl pro Imker 14,6 und das Durchschnittalter beträgt 57 Jahre.

Der Honigertrag reicht von gut bis sehr gut. Vor allem die Waldtracht war ergiebig. Tannen- und Alpenrosenhonig gab es wenig. Aufgrund der hohen Honigerträge befürchten wiederum manche Imker/innen auf ihrem Honig sitzen zu bleiben und deshalb ihren Honig zu verbilligten Preisen zu verschleudern. Dieses Verhalten schade aber der ganzen Imkerei und langfristig dem Qualitätsprodukt Honig. Jeder Imker sollte Honig im Vorrat haben, damit wenig ertragreiche Jahre ausgeglichen werden können. Die großen Völkerverluste von 2009 konnten die meisten ImkerInnen großteils wieder ausgleichen.

In der Schule Laimburg wurden drei sehr gut besuchte Weiterbildungsvorträge abgehalten, zum Thema: Ableger ist die beste Varroabehandlung, Bestäubungsimkerei – Ein zukünftiger Weg in der Imkerei und Nosema Cerana – Mitschuld der Völkerzusammenbrüche von Prof. Mutinelli
In Altenburg fand ein Live Vorführung vom Nassenheiderverdunster statt, an dieser Veranstaltung nahmen 35 ImkerInnen teil.
Die diesjährige Bezirkslehrfahrt fand am 27. Juni statt, und ging zum Gerätehersteller Giordan, dann schauten wir ein Bienen- und Honigmuseum in Lavarone an. Auf der Rückfahrt besuchten wir einen Bienenstand vom Bezirksobmann. 52 Imker/innen nahmen an der Lehrfahrt teil.
Erntedankfest am Walterplatz in Bozen wurde vom Imkerverein Tramin – Kurttasch – Magreid durchgeführt.

Varroasituation: Die Varroasituation ist sehr unterschiedlich. Während manche Ortsgruppen keine größeren Probleme melden, sind in anderen schon zahlreiche Völker der Varroa zum Opfer gefallen. Dafür werden mehrere Umstände verantwortlich gemacht: Der Varroa- Rhythmus (ähnlich Maikäfer) und zum anderen falsche Behandlungsmethoden, usw.
Probleme mit Spritzschäden oder Bienenvergiftungen waren nur vereinzelt bekannt. Der Besenwuchs ist in einigen Orten Südtirols wieder verstärkt aufgetreten, daher wird mit einer Zunahme von Spritzungen zu rechnen sein.
Frau Maria Mayr und Kemenater Albert sind seit heuer neue Wanderlehrer im unseren Bezirk.

In Südtirol wird eine sehr vielseitige Bienenhaltung betrieben. Insgesamt halten die 3.000 Imkerinnen und Imkern ca. 40.000 Bienenvölker, d.h. im Durchschnitt 13 Völker pro Imkerin oder Imker. Mehrheitlich hausen die Bienenvölker in verschiedene Magazinbeuten (ca. 80%), der Rest in Hinterbehandlungsbeuten (Much) die in Bienenhäusern untergebracht sind. Die Wanderimkerei wird von einer großen Mehrheit betrieben. Die Trachtangebote sind je nach Region unterschiedlich. Unsere wichtigsten Trachtpflanzen sind: Obstbäume, verschiedene Nadel- und Laubbäume, Löwenzahn, Alpenrose, Robinie ("Akazie"), Kastanie, Himbeere sowie Linde. Leider blühen die Wiesen und Felder in Südtirol durch Überdüngung nicht mehr, dadurch entstehen lange Trachtlücken. Die Durchschnittsernte liegt bei 15 kg pro Volk. Überdurchschnittliche Wald- und Alpenrosentrachten können nur einmal in 10 Jahren erwartet werden. Südtirol gehört mit durchschnittlich 5,4 Völkern pro Quadratkilometer zu den Ländern mit den höchsten Bienendichten. Durch die flächendeckende geografische Verteilung der Bienenstände ist die Bestäubung der Kultur und Wildpflanzen zum heutigen Zeitpunkt noch perfekt gewährleistet.
Unsere Honigbiene ist aber bedroht. Seit der Verbreitung der aus Asien eingeschleppten Varroamilbe gibt es in unseren Klimazonen keine eigentlichen Wildpopulationen mehr. Durch Krankheits- und Schädlingsverbreitung, Schädlingsbekämpfung und mit dem internationalen Warenaustausch nimmt die Bedrohung laufend zu. Die Honigbiene ist heute imkerabhängig. Sie ist das einzige Nutztier der Welt, das durch eine UN-Schutzkonvention (1998 Sao Paulo Declaration) geschützt werden muss.
Im Wissen, dass jeder dritte Bissen den wir Menschen essen bestäubungsabhängig ist und dass etwa 80% davon von der Honigbiene geleistet wird, muss das Oberziel aller Bemühungen in der Bienenzucht und -forschung lauten: Erhaltung einer flächendeckenden Bestäubung aus Gründen der Ernährungssicherung in unserem jetzigen Ökokultursystem. Das würde sich dramatisch ändern, wenn es die Honigbiene nicht mehr gäbe. Keine Frage. Die Bestäubung wäre nicht mehr ausreichend, um die Quantität und Qualität zu bringen, an die wir uns so gewöhnt haben. Die Bestäubung kann aber nur über eine funktionierende Imkerei sichergestellt werden. „Um die Bestäubungsleistung eines einzigen Bienenvolks zu erreichen, bräuchte es 500 Hummelvölker“, Jürgen Tautz. Jürgen Tautz ist derzeit der bekannteste Bienenforscher Europas. Die Motivation zur Bienenhaltung basiert traditionell auf naturschützerischen Interessen, einem gewissen Idealismus und dem Willen, einmalige, authentische Bienenprodukte zu.
Zusammenkommen ist ein Beginn, zusammenbleiben ist ein Fortschritt, zusammenarbeiten ist ein Erfolg und zusammen imkern ist Glauben an die Zukunft der Imkerei in Südtirol.

Vielen dank für Ihre Aufmerksamkeit.
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